FairFoodFeministisch

FairFood Feministisch

WIDE setzt sich für ein anderes, feministisches wirtschaftliches Denken ein, in dem die Wirtschaft daran gemessen wird, wie sie zum guten Leben aller Menschen beiträgt und nicht zu ökologischer Ausbeutung führt, also auch für zukünftige Generationen sorgt. Ernährungssysteme stehen immer in einem direkten Zusammenhang mit den natürlichen Ressourcen als deren Grundlage.

Ernährungssysteme umfassen alle Bereiche, die für die Ernährung von Bedeutung sind, und damit nicht nur traditionell wirtschaftliche Sektoren. Im Moment ist kein Bereich geschlechtergerecht gestaltet. In der Gesellschaft werden vor allem ökologische Folgen nicht nachhaltiger Ernährungssysteme debattiert: Auswirkungen für die Umwelt (Beispiele: Co2 Emissionen, ökologischer Fussabdruck, Biodiversität…), und seltener die schwierigen Arbeitsbedingungen entlang von Lieferketten. Noch weniger präsent ist die Verknüpfung von Carearbeit an Schnittstellen von bezahlter und unbezahlter Arbeit. Geschlechtergerechtigkeit und eine andere Wertschätzung der Care-Arbeit sind zentrale Elemente von nachhaltigen Ernährungssystemen. Durch Bildungs- und Vernetzungsarbeit will die AG  FairFood dazu beitragen, dass davon betroffene Menschen diesen Wert erkennen und sich gemeinschaftlich dafür einsetzen, Ernährungssysteme anders zu gestalten. Um Ernährungssysteme anders zu gestalten, ist es zudem notwendig, in Wirtschaft und Politik, sowie in der Forschung neue Denkmuster vorzustellen und deren Umsetzung zu fördern.

Seit der Gründung von WIDE Switzerland  im Jahr 2009 hat sich eine AG mit dem Thema «Ernährungssysteme» als Care-Thema auseinandergesetzt. Dabei hat sich das Verständnis von Carearbeit im Zusammenhang mit Ernährung und der Produktion, Verarbeitung und dem Handel/der Vermarktung von Nahrungsmitteln ständig erweitert. Zu Beginn wurde der Carebegriff vor allem mit der unbezahlten Hausarbeit in Verbindung gebracht, die zur Ernährungssicherung beiträgt und vorwiegend von Frauen geleistet wird. Im laufe der Zeit erweiterte sich das Verständnis: Arbeitsbedingungen in der Ernährungswirtschaft sind auch geprägt von der Arbeitsaufteilung und Rollenzuschreibungen, die sich aus bestehenden Geschlechterhierarchien ergeben haben. Diese Hierarchien, verstärkt durch weitere Bereiche von Ausgrenzung (wie Bildungsherkunft, geografische Herkunft, Hautfarbe, Migrationsgeschichte…), erlauben die Abwertung von bestimmten Tätigkeiten und Arbeitspensen, welche mit Carearbeit in Verbindung stehen. Zuletzt befasste sich die AG auch mit dem Wert der Carearbeit für Menschen und für die Natur als Grundlage für das aktuelle konventionelle wirtschaftliche Geschehen, aber auch für nachhaltigere Alternativen.

Heute heisst die AG «AG FairFood Feministisch», welche die Verknüpfung mit dem Thema Nachhaltigkeit illustriert. Es bestehen viele Ideen für nachhaltigere Aspekte von Ernährungssystemen – die AG macht den Gendercheck, wie sich derartige Initiativen und Veränderungen auf Carearbeit auswirken. Zentral darin sind die Ressourcen Zeit und Geld, sowie das Verständnis von Arbeit in diesem Zusammenhang.

Bei den von WIDE-Switzerland veranstalteten Hearings und  Konferenzen sowie mit Publikationen, wie z.B. Essen.Macht.Arbeit  hat die AG das Thema nach aussen getragen und dadurch Netzwerke aufgebaut. Im Vorfeld der Abstimmungen über die Initiativen FairFood und Ernährungssouveränität organisierte WIDE z.B. eine Workshopreihe, wo Fachfrauen aus Politik, Landwirtschaft, Forschung, der Internationale Zusammenarbeit über genderspezifische Aspekte und Folgen der Ernährungspolitik diskutierten. Dabei wurde das eigene Wissen ständig weiterentwickelt und in Seminaren und Workshops weitergegeben. In den letzten Jahren wurde das Bedürfnis an umfassender und systemischer Weiterbildung deutlich, vielleicht auch im Zusammenhang einer grösseren gesellschaftlichen Diskussion um nachhaltige Ernährungssysteme. Dieses Momentum wollen wir nutzen, um feministische Anliegen kontinuierlich sichtbar zu machen und zu vertreten.